CR heisst Carlson Reinhard.

Besagter Carlson Reinhard ist 32, als er 1985 das gleichnamige Redaktionsbüro gründet. Zuvor hatte er Philosophie studiert, zwei Jahre bei den Ureinwohnern Kanadas gelebt und gearbeitet, um sich nach seiner Rückkehr für den Weg des Journalismus zu entscheiden. Mit kleinen Teams erarbeitet er im Auftrag für diverse Zeitschriftenverlage fortan die redaktionellen Inhalte seiner Hefte, erstellt sie inklusive Fotos und Layouts. Er übernimmt die Verantwortung für das Geschriebene, lernt zu korrigieren, redigieren und zu fotografieren, den Umgang mit Menschen, die auch Angestellte sind, mit Auftraggebern und mit Konkurrenten. Er reist zu Reportagen durch die halbe Welt. Entwickelt ein Gespür für Typographie und Layout, fürs Ein- und Anpassen von Texten, für die Konzeption von Geschichten, Ausgaben, ganzen Magazin-Projekten – für Headlines, Pointen, die Ansprache der Leser etc.

Innerhalb von 14 Jahren – zwei Jahrsiebten, wem das etwas sagt, – ist das erste von ihm betreute Magazin, ein Radsport-Titel, beflügelt vom Fahrradboom in Deutschland, herangewachsen, ist erfolgreicher Marktführer geworden und es bis heute geblieben.

Es kommt zu einem Wechsel. CR und sein Team arbeiten zunächst aber weiter im radsportlichen Metier. Ein Schweizer Verlag hat ihm die Redaktion eines eidgenössischen Radmagazins angeboten. Drei Jahre lang entsteht diese Zeitschrift dann über die Ländergrenzen hinweg.

Kurz darauf ereignet sich ein regelrechter Auftragsstau. Gleich zwei neue Magazine sind zu entwickeln; eines davon soll die Hauszeitschrift der McDonald's Kinderhilfe werden, das andere das Kundenmagazin von Europas größtem Fahrradhändler-Verband. Zugleich ist außerdem die deutsche Ausgabe des aktuellen Tour-de-France-Roadbooks herauszubringen. Unter Mobilisierung aller Kräfte und zur Zufriedenheit der Auftraggeber gelingt die Aufgabe. Kurz darauf läuft der Betrieb dann wieder rund im Redaktionsbüro. Die beiden neuen Zeitschriften lassen sich zu zweit erstellen, im Schnitt um die 60  Seiten pro Monat.

Nach der Jahrtausendwende verändert sich das Klima in der Verlagsszene. Das Internet ist auf dem Vormarsch und wird mit aller Kraft entwickelt. Print scheint in dieser Zeit ziemlich out zu sein. Da wird dann eben auch das CR Redaktionsbüro virtuell und zieht aufs Land.

Die Arbeit verändert sich, bezieht sich mehr und mehr auf einzelne Projekte. Immer wieder gibt es besondere Aufträge für die Montagesparte von Mercedes Benz in Sindelfingen zu erledigen. Das dortige Intranet ist textlich aufzufrischen, im Wissens-Management ist viel zu tun. Höhepunkt der spannenden Zusammenarbeit ist die Erstellung eines Kompendiums, in dem die Leitlinien der neuen Produktionsmethode umrissen werden. Zu großen Teilen entsteht dieses Buch, das auch zehn Jahre nach Erscheinen noch als Standard-Nachschlagewerk für Mercedes-Planer gilt, im Redaktionsbüro. Auch das Layout wird dort entwickelt.

 

Ein befreundeter Verleger bietet Carlson Reinhard an, als seine unsichtbare rechte Hand und auf Zuruf diverse Hilfeleistungen für ihn zu erledigen – von der Geschäftskorrespondenz über das Verfassen von Berichten, die kritische Auseinandersetzung mit den aktuell erscheinenden Zeitschriftentiteln des Verlages bis hin zum Texten von Flyern, Weihnachtskarten etc. Ein nahezu perfektes Training für unser neues Projekt CR-Klartext!

 

Zugleich schlägt er vor, CR solle sein erstes Buch schreiben – Biographie und Reiseschilderungen eines gemeinsamen Freundes, der seinerzeit schon gut 30 Jahre lang mit dem Fahrrad um die Welt gefahren war. CR bekommt freie Hand und ein großzügiges Budget eingeräumt – sehr ungewöhnlich in der Buchbranche. Es entsteht der Bildband "Sieh diese Erde leuchten!", der sich bislang, inklusive der später in einem anderen Verlag erschienenen Taschenbuchausgabe, rund 20.000 Mal verkauft hat.

 

2010 und 2012 erscheinen zwei Fortsetzungen zu diesem Buch, beide spektakulär unspektakulär und trotzdem spannend zu lesen.

Ebenfalls 2012 kommt es zu einer Herausforderung der besonderen Art: Aktuell hat der US-Rad-Profi Tyler Hamilton seine Doping-Beichte vorgelegt. Das Buch mit seinen Enthüllungen auch über die Machenschaften des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong muss in Rekordzeit übersetzt werden. 350 Seiten in wenigen Wochen. Fünf Übersetzer sind am Werk. Das Redaktionsbüro Carlson Reinhard wird beauftragt, deren Texte zusammenzuführen, die Diktion zu vereinheitlichen und, wo angebracht, für authentische Radsport-Atmosphäre zu sorgen. Ein echter Husarenritt angesichts des engen Zeitfensters, aber immerhin schafft es das Buch dann unter die Top-20 der Spiegel-Bestsellerliste.

 

2013 und 2014: Aus dem Englischen übersetzt CR ein Buch über die Weisheit Indiens. Früher wurden die Upanishaden von Eingeweihten nur mündlich an ausgewählte Schüler weitergegeben; ohne die Interpretation eines Weisen sind sie kaum zu verstehen. Die Übersetzung zeugt von der ungeheuren Radikalität im Denken, die Indiens Philosophie schon vor Tausenden von Jahren prägte und für uns auch heute unerreicht ist. Eine zweite Übersetzungsarbeit handelt von Runen-Magie; weitere Titel sind zu lektorieren und zu korrigieren, darunter zwei überaus erfolgreiche Bücher über Superfoods.

 

Ein weiteres neues Projekt kommt gegen Ende 2014 in Fahrt. Bio-Tierkost, ein Berliner Unternehmen, das ganzheitliches, gesundes Futter für Haustiere vertreibt, lässt sich von CR's Idee überzeugen, den anstehenden Katalog durch redaktionelle Inhalte aufzuwerten. In intensiver Zusammenarbeit entsteht dabei etwas völlig Neues – ein magazinartiges Futterangebot, das auch ein paar sehr individuelle Tiergeschichten und eine plausible Darstellung des Bio-Gedankens zu bieten hat.

 

Kurz darauf erfüllt sich Carlson Reinhard einen Herzenswunsch und lässt die ungewöhnlichsten, spannendsten und skurrilsten Reportagen seiner Radsport-Zeit noch einmal lebendig werden. Ergänzt mit ganz persönlichen Erinnerungen an die Abenteuer seines Reporter-Daseins sammelt er sie in einem schön gestalteten Kompendium und bringt sie unter dem Titel "Der Grand Prix Tante Martha" im Eigenverlag heraus (siehe Shop). Es wendet sich an alte Weggefährten, Liebhaber humorvoll erzählter Geschichten und alle Freunde des Radsports.

 

33 Jahre Redaktionsbüro, und immer wieder stehen neue Projekte an. Mag da noch jemand zweifeln, dass Arbeit Freude machen kann?