Kulanz as kulanz can ...

Die Sachlage. Bei einem recht exklusiven Versandunternehmen war einst eine Küchenmaschine geordert worden, deren Deckel eines schönen Tages kaputtging. Die Garantiezeit war längst abgelaufen, eine Rechnung nicht mehr auffindbar – und trotzdem versuchte man es mit einem Anschreiben. Die Idee: Den Brief so kauzig-komisch-witzig zu verfassen, dass die Leute im Versandunternehmen gar nicht anders konnten, als die Kulanz-Bestimmungen unglaublich großzügig auszulegen ...

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

da mich ein seltsames Ahnen durchströmt, der Garantiezeitraum für meine tolle Kenwood MultiPro FP 250-Schnetzel-Apparatur könnte vielleicht demnächst auslaufen, beeile ich mich hiermit, Ihnen die traurige Botschaft zu übermitteln, dass diese von mir bei Ihnen gekaufte Maschine derzeit ohne Deckel dasteht!

Das Teil (mit integriertem Einfüllstutzen) fiel in einem unbeobachteten Moment – Hund, Katze, höhere Gewalt? – zu Boden. Es zerschellte zwar nicht ganz, büßte dabei aber ausgerechnet den Teil ein, mit dem es Kontakt zum soliden Kenwood-Unterbau sucht. Es brach heraus, und seitdem schnetzelt mein famoser Schnetzler nicht mehr.

Hiermit bitte ich Sie um Ersatz! Denn ohne Deckel wird das Schnetzeln zu einer recht trostlosen Angelegenheit, da es, wie in grauer Vorzeit, per Hand erfolgen muss. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, das Utensil im Rahmen der Garantie bzw. Kulanz zu senden, müsste ich – nachdem ich mir mit Ihrer Hilfe (!) einen Überblick über die dann zu gewärtigenden Kosten verschafft habe – die Versicherungen einschalten. Hund und Katze sind nämlich versichert, die höhere Gewalt leider nicht.

Sie erkennen vielleicht, welch massive Probleme sich gerade vor mir türmen. Andererseits wäre es für Sie wahrscheinlich ein Leichtes, mir aus meiner Bredouille herauszuhelfen. Dies als Motto für Ihren Tag zu empfehlen, beeile ich mich hiermit.

 

Danke im Voraus

 

Tatsächlich: Kulanterweise tauchte kurz darauf ein neuer Deckel für die Schnetzelmaschine auf. Dennoch wurde ein zweiter Brief nötig.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ganz, ganz lieben Dank für den großherzigen Aufsatz zu meinem Kenwood-Schnetzler, der mich kulanterweise vor ein paar Tagen ereilte. Leider aber passt er nicht! Ihm fehlt zum Beispiel der so unendlich wichtige Einfüllstutzen, ohne den das Schnetzeln gar nicht funktioniert.

Ich habe in der Zwischenzeit tiefschürfende Recherchen in meinen zahllosen Unterlagen durchgeführt und bin dabei auf eine Bestellnummer gestoßen, die Ihnen vielleicht hilft, die wahre Identität meines Kenwood-Schnetzlers zu entschlüsseln: 132-696.

Dafür, für dieses Gerät bitte brauche ich den Ersatz-Aufsatz! Wären Sie vielleicht abermals so freundlich …? Ihren mir übersandten Deckel lege ich diesem Schreiben bei.

Danke, vielen Dank im Voraus

 

Große Freude auf allen Seiten! Auch dieser Aufsatz wurde kostenfrei geschickt, und diesmal war's der richtige.