Manchmal ist es nicht schlecht, beim Leser einen leisen Anflug geistiger Überlegenheit entstehen zu lassen (indem man sich dümmer stellt, als man ist), so wie in diesem Fall. Brief an eine Gebäudeversicherung:

 

die glasbausteine explodieren !


Sehr geehrte Damen und Herren,

 

in unserem Hausflur befindet sich eine Wand mit Glasbausteinen. Nun, und seltsamerweise platzen diese Glasbausteine seit einiger Zeit mit einem seltsamen Geräusch. Keiner kann sich denken, warum das so ist; Fremdeinwirkung kann man mit Sicherheit ausschließen.

Wir machen uns jedoch keine Sorgen, denn: Wir sind ja seit vielen Jahren bei Ihnen gegen Glasbruch versichert! Bitte untersuchen Sie unseren Schadensfall, bitte schicken Sie auch ruhig jemanden her, um den Fall zu prüfen.

Es wäre dann schön, wenn Sie uns den entstandenen Schaden ersetzen. Damit rechnen wir in vollstem Vertrauen. Vielen Dank schon einmal im Voraus!


Mit freundlichen Grüßen


Die Versicherungsleute möchten noch einige Details wissen. Kein Problem:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wir hatten Sie ja am 12.6.2014 über das unerklärliche Platzen der Glasbausteine in unserem Haus informiert, und Sie haben daraufhin die Schadens-Nr. XX2-XXX8-XX angelegt.

Bevor nun noch jemand zu Schaden kommt, der vielleicht gerade an einem platzenden Glasbaustein vorbeigeht oder in die Scherben tritt, sind wir in Vorleistung gegangen und haben von der Firma XXXXXX ein neues Fenster einbauen lassen – neue Glassteine wollten wir nach der Erfahrung nicht mehr nehmen. Das Ganze hat uns 1730 Euro gekostet, wie Sie der beiliegenden Rechnung entnehmen können.

Jetzt sind wir natürlich sehr gespannt, wie „gut“ unsere Versicherung bei Ihnen wirklich ist, d.h., inwieweit Sie den Schaden übernehmen. Aber da wir sehr vertrauensvoll sind, was Ihr Unternehmen betrifft (das hatten wir, glaube ich, schon geschrieben), rechnen wir natürlich mit dem Besten.

Nun schauen Sie einmal, was Sie für uns tun können

Mit freundlichen Grüßen


Ganz geheuer scheint der Fall der Versicherung nicht zu sein. In einem Schreiben bittet man den Kunden um Beweisfotos oder zumindest glaubwürdige Zeugenaussagen zu den "Explosionen". Darauf erfolgt diese Antwort:


Sehr geehrter Herr XXXXXX,

danke für Ihr Antwortschreiben vom XXXXXXX. Allerdings ist uns nicht bewusst, dass die Versicherung Fotos von der kaputten Glasbausteinwand hätte haben wollen, also haben wir auch keine gemacht. Wir sind nicht so versiert in diesen Dingen.

Wenn Sie aber nur wissen wollen, ob diese Steine tatsächlich „explodiert“ sind, dafür gibt es Zeugen (also keine Zeugen der Explosionen direkt, sondern Leute, die das Ergebnis davon gesehen haben): ein Nachbar, eine gute Freundin, meine Tochter (die, glaube ich, zu dieser Zeit bei uns zu Besuch war). Wenn Ihnen daran liegt, kann ich diese Menschen bitten, bei Ihnen anzurufen. Oder ich schreibe Ihnen auf, was sie gesehen haben, und sie unterschreiben das (wie ein Protokoll bei der Polizei).

Ansonsten wüsste ich nicht, wie ich Ihnen weiterhelfen könnte.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

P.S. Anhand der Rechnung, die ich beilege, können Sie sehen, dass bei uns tatsächlich Reparaturarbeiten in beträchtlichem Ausmaß stattgefunden haben.

 

Anstandslos wurde daraufhin der volle Betrag überwiesen. (Zu erwähnen wäre vielleicht, dass die Versicherung dort schon seit Jahren bestand und bislang nie in Anspruch genommen worden war.)